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Wie lege ich den besten Preis für meine Kunstwerke fest? Teil 1: Vergleichen

Preisfindung Kunst

Preisfindung Kunst [1]

Die Frage nach dem besten Preis für ihre Kunstwerke bereitet vielen Künstlern Kopfzerbrechen.

Bist Du zu billig, verdienst Du nichts daran und die Leute halten Dich vielleicht für einen uninteressanten Amateur. Setzt Du die Preise für Deine Kunst zu hoch an, kauft sie niemand. Gar nicht so einfach, da den richtigen Weg zu finden.

Es gibt unterschiedliche Ansätze, den besten Preis für Deine Kunstwerke zu finden. Dabei sind verschiedene Faktoren zu beachten. Denn wenn es um den Preis geht, gibt es immer zwei Seiten.

Künstler und Käufer sehen den Preis aus verschiedenen Richtungen

Grundsätzlich kannst Du Dich dem besten Preis von zwei Seiten nähern:

Von der Seite der Herstellung:
Wieviel Zeit und Material habe ich in das Kunstwerk investiert?

Von der Seite des Käufers:
Wieviel ist der Käufer bereit, für das Kunstwerk zu bezahlen?

Vor allem am Anfang Deiner Karriere, wenn Du wahrscheinlich noch nicht so hohe Preise erzielen kannst, spielt die Seite der Herstellung auch eine wichtige Rolle. Aber am Ende, wenn es um die wichtigste Entscheidung geht – kaufen oder nicht kaufen – dann gibt eine Seite den Ausschlag:

Der Käufer.

Deswegen fangen wir mit der Preisfindung auch dort an.

Preisfindung für Künstler:
Schritt 1: Die Sicht des Käufers

Was machen die Menschen immer, wenn es um eine Kaufentscheidung geht?

Was hast Du gemacht, bevor Du Deine ersten Ölmalfarben gekauft hast?

Du hast sicher Preise verglichen? Wir hängen alle an unserem Geld und niemand möchte zu viel davon ausgeben.

Die Menschen werden also zuerst auf Dein Kunstwerk sehen. Und wenn es ihnen gefällt, dann wird der nächste Blick dem Preisschild gelten.

Wahrscheinlich werden anschließend drei Fragen im Kopf des potentiellen Käufers auftauchen:

1. Ist der Preis höher oder niedriger als ich erwartet habe?
2. Ist das ein fairer Preis verglichen mit anderen ähnlichen Kunstwerke, die ich gesehen habe?
3. Liegt der Preis in meinem persönlichen Budgetrahmen für so einen Kauf?

Den dritten Faktor, den Budgetrahmen des Interessenten, kannst Du natürlich nicht beeinflussen. Aber mit den ersten beiden Faktoren kannst Du etwas anfangen: Die Erwartung des Käufers und der Vergleich mit ähnlichen Kunstwerken.

Diese beiden Faktoren werden von den früheren Erfahrungen des Käufers und seinem Wissen über die Preise auf dem Kunstmarkt bestimmt.

Deshalb macht es Sinn, sich einmal auf dem Kunstmarkt umzusehen, um diese Erwartungen zu erfüllen.

Schritt 2: Vergleichen
Recherchiere Preise von vergleichbaren Kunstwerken

Das Wort „vergleichbar“ ist hier entscheidend. Es nützt Dir leider wenig, wenn Du weißt, was ein Ölgemälde von Picasso in der Größe 40 x 60 cm kostet. Du brauchst Preise von Kunstwerken, die ein Käufer mit Deinen vergleichen würde.

Nach welche Faktoren findest Du Kunstwerke, die mit Deinen vergleichbar sind?

Such nach Kunstwerken bzw. Künstlern, die bei folgenden Kritieren mit Dir vergleichbar sind:

Fällt Dir etwas auf?

Die beiden letzten Faktoren beziehen sich nicht direkt auf das Kunstwerk, sondern vielmehr auf den Künstler. So gut wie niemand kauft ein Kunstwerk „allein“. Wer ein Kunstwerk kauft, kauft den Künstler immer gleich mit. Deswegen kommt es beim Kaufpreis für ein Kunstwerk fast immer darauf an, WER es geschaffen hat.

Wie Picasso malen können viele – aber nur für einen „echten“ Picasso wird ein Vermögen bezahlt

Ich könnte ein Kunstwerk malen, dass so aussieht als sei es von Picasso. Aber selbst wenn es genauso gut wie ein echter Picasso wäre, würde mir niemand ein Vermögen dafür bezahlen. Für den Preis kommt es eben immer entscheidend darauf an, welcher Künstler hinter einem Kunstwerk steckt.

Am besten ordnest Du Dich gleich einmal selbst nach den genannten Kriterien ein:

Welche Preise werden für Kunstwerke Deiner Art auf dem Kunstmarkt gezahlt?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, solltest Du dort hingehen, wo Kunst auch tatsächlich gekauft wird.

Bei lebenden Künstlern sind das hauptsächlich 3 „Orte“:

1. Galerien

2. Ateliers anderer Künstler

3. Internet

1. Galerien:

Besuche lokale Galerien in Deiner Umgebung und sieh Dich dort um. Eine gute Gelegenheit sind auch Vernissagen. Wenn Du Glück hast, siehst Du Käufer in Aktion, d.h. wenn sie tatsächlich Kunstwerke kaufen. In großen Stadt wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg gibt es eine etablierte Kunstszene mit Galerien unterschiedlicher Größe und Ausrichtung.

Hilfreich bei der Suche ist das Internet. Am besten gibst Du einmal „Kunstgalerie“ plus der Stadt ein, in der Du wohnst oder die in Deiner Nähe ist. Folgender Link führt zu Kunstgalerien in Berlin:

https://www.google.de/search?q=kunstgalerie+berlin

2. Ateliers anderer Künstler:

Ein anderer Ort, an dem häufig Kunst direkt vom Künstler gekauft wird, ist das Atelier. Manche Künstler machen Atelierausstellungen, zu denen jeder kommen kann, oder sie laden Interessenten direkt zu einem Termin in ihr Atelier ein. Für Dich bedeutet das, dass Du Künstler, die mit Dir vergleichbar sind, einfach einmal direkt nach ihren Preisen fragst oder z.B. auf deren Website danach guckst.

Der persönliche Kontakt ist besser, weil es einen großen Unterschied macht, zu welchen Preisen ein Künstler seine Kunstwerke anbietet und zu welchen Preisen er sie auch tatsächlich verkauft.

Natürlich gibt es unter Künstlern auch Neid und Konkurrenzdenken. Andererseits herrschte zu Picassos Zeiten in Paris ein reger Austausch unter den Künstlern, die sich gegenseitig inspirierten. Viele Künstler freuen sich, Gleichgesinnte zu finden oder „Neulingen“ unter die Arme greifen zu können. Vergleichbare Künstler in Deiner Umgebung findest Du auch wieder über das Internet, durch Fragen im Bekanntenkreis oder auch über die lokale Presse, die immer mal wieder über Aktionen und Ausstellungen von lokalen Künstlern berichtet.

3. Internet:

Natürlich gibt es auch im Internet jede Menge „Online“-Galerien. So leicht und einfach im Internet alles nur einen Mausklick entfernt ist, so schwierig ist es manchmal doch, genau die Informationen zu finden, die Du suchst. Denn Künstler in Online-Portalen zu finden, die tatsächlich Dir sehr ähnlich sind und dann auch noch die Preise veröffentlichen, zu denen sie tatsächlich verkaufen, ist gar nicht so leicht.

Achte darauf, dass die Kunstwerke in Stil, Qualität und Ausrichtung mit Deinen Werken vergleichbar sind und dass Du am besten 5-10 verschiedene Künstler findest, die passen. Dann kannst Du die Ergebnisse Deiner Recherche im Internet als guten Orientierungspunkt für Deine eigene Preisfindung nehmen.

Starten kannst Du Deine Suche wieder bei Google:

https://www.google.de/search?q=kunstgalerie+online [2]

Schritt 3: Berechnung
Eine Liste und „Preis pro Quadratzentimeter“

Am Ende Deiner Recherche solltest Du eine Liste von Kunstwerken und Künstlern samt einiger Eckdaten haben:

Natürlich weißt Du bei so einer Liste nie ganz sicher, ob das auch tatsächlich gezahlte Preise sind. Außerdem gibt es meistens sogenannte „Ausreißer“, das sind Werte, die extrem hoch oder extrem niedrig liegen. Dem könntest Du begegnen, indem Du extreme einzelne Ausreißer nach oben oder unten einfach von der Liste streichst (aber wirklich nur einzelne Preise, die sich extrem von allen anderen unterscheiden).

Wenn Du dann Deine von Ausreißern bereinigte Liste von Kaufpreisen hast, kannst Du anfangen, einen Durchschnittswert zu ermitteln. Dabei gilt im Kunstbereich folgender Grundsatz: Größere Kunstwerke sind teurer als kleinere. Im Prinzip brauchst Du deshalb einen „Durchschnittspreis pro Quadratzentimeter Kunstwerk“.

Den Preis pro Quadratzentimeter Kunstwerk kannst Du für jedes Kunstwerk in Deiner Liste berechnen. Du nimmst den Preis des Kunstwerks und teilst ihn durch seine Fläche.

Ein Beispiel:

Ein Kunstwerk misst 40 cm x 60 cm und kostet 480 EUR.

Der Preis pro Quadratzentimenter ist der Preis 480 EUR geteilt durch die Fläche 2400 cm² = 0,20 EUR pro cm².

Das berechnest Du für alle Kunstwerke auf Deine Liste. Dann addierst Du alle Preise pro Quadratzentimeter und teilst die Summe durch die Anzahl der Kunstwerke.

Am Ende hast Du Deinen „Durchschnittspreis pro Quadratzentimeter Kunstwerk“.

Damit kannst Du dann einen Preis für jedes Deiner eigenen Kunstwerke ermitteln. Du berechnest zuerst die Fläche des Kunstwerks in Quadratzentimeter und multiplizierst diese Zahl dann mit dem gefundenen „Durchschnittspreis pro Quadratzentimeter Kunstwerk“.

Das wäre der Preis für Dein Kunstwerk, wenn Du ihn auf der Grundlage anderer vergleichbarer Kunstwerke festlegst.

Vergleichen ist ein Ansatz mit Vorteil

Wenn Du Preise ermittelt hast, für die vergleichbare Kunstwerke tatsächlich verkauft wurden, dann hat dieser Ansatz einen großen Vorteil: Du kannst damit Preise festlegen, die auf dem Kunstmarkt bisher auch wirklich gezahlt wurden. Das erhöht die Chancen, dass Du mit Deinen Preisen richtig liegst und Du Deine Kunstwerke dafür verkaufen kannst.

Wichtige Anmerkung! (5.3.2016)

Viele Künstler und Galerien multiplizieren die Kantenlängen nicht miteinander, sondern sie addieren diese, um den Preis für ein Kunstwerk in einer anderen Größe zu bestimmen. Die genannte Methode eignet sich also vor allem erstmal dafür, einen Vergleichspreis bzw. einen Basispreis für Kunstwerke in ähnlicher Größe zu finden. Bei der einen Methode kann ein doppelt so großes Bild dann auch doppelt so viel kosten, bei der Kantenlängensumme je nach Maß auch nur 50% mehr. Wir werden darauf nochmal einem anderen Artikel genauer eingehen. Der Ansatz in diesem Artikel eignet sich vor allem dazu, mit der Vergleichsmethode erstmal einen realistischen Basispreis für ein Kunstwerk einer Größe zu finden und sich an den Preisen zu orientieren, die für vergleichbare Kunstwerke gezahlt werden.

Vielen Dank auch den Künstlern, die uns darauf nochmal hingewiesen haben.