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Wie schreibe ich eine Kurzbiografie? Anleitung für Künstler

Wer sind Sie? Was machen Sie? Was macht Sie als Künstler so individuell und interessant? Zeigen Sie, was Sie haben!

Im „ABC des Journalismus“ heißt es: „Das Porträt als journalistische Darstellungsform berichtet über eine Person und vor allem über jene Teile seiner Biografie, die außergewöhnlich sind.“ Und weiter steht dort in der „Bibel der Journalisten“: „Grundsätzlich kann jeder Mensch porträtiert werden, der für die Öffentlichkeit interessant ist.“ Sie als Künstler sind ein Mensch des öffentlichen Interesses. Ihre Arbeit entsteht durch Ihre Persönlichkeit, daher sollten Sie auch bereit sein, Ihre Individualität, Ihr Denken und Handeln und Ihre Lebensform ein stückweit Preis zu geben. Denn das ist der Stoff, aus dem die Medien ihre Geschichten machen.

Es geht nicht darum, dass Sie eine komplexe Biografie schreiben oder gar schreiben lassen, die Ihre Lebensgeschichte erzählt. Eine Kurzbiografie respektive im Journalismus „Porträt“ genannt ist kein Text, der immer mit dem Geburtsdatum beginnt und den Werdegang chronologisch herunter betet. Man kann in der Tat schon auf zwei DIN A 4-Seiten eine wunderbare Geschichte erzählen. Sie fragen, wozu?

Eine Kurzbiografie stellt Sie als Künstler vor. So ein Schriftstück können Sie zum Beispiel auf Ihrer Homepage veröffentlichen, als  Einleitungstext Ihres Kunstkataloges verwenden oder als Pressematerial an Redaktionen schicken, die oft aus Kapazitätsgründen froh um jedes gut aufbereitete Material sind. Jeder Künstler hat seine ganz persönliche Geschichte und seinen speziellen Weg zur Kunst gemacht – beides gilt es herauszustellen.

Man hat mit Spezialbrillen untersucht, wie das Auge des Lesers vorgeht: Es springt zuerst auf die Überschrift, dann auf das Bild und die Bildunterschrift. Erst wenn hierbei das Interesse geweckt wurde, beginnt der Leser den Artikel zu lesen. Fazit: Überschrift muss knackig sein, das Bild gut in der Aussage, die Bildunterschrift ein Stück Inhalt verraten und der Einstieg mit einem besonderen Aspekt oder einer kleinen Anekdote in den Artikel führen. Um den Leser im Text zu halten, muss Zeile um Zeile des Textes interessant und spannend bleiben.

Ich will Ihnen anhand von Beispielen, die ich im Auftrag der Tageszeitung Münchner Merkur geschrieben habe, wichtige Aspekte aufzeigen, die solche Texte spannend machen, wie der Aufbau einer Kurzbiografie sein sollte, was inhaltlich rein muss:

Nackte Popos im Großformat

Die Überschrift „Nackte Popos im Großformat“ macht neugierig. Das Bild eines solchen skulpturalen Popos aus der Antike ist ein Blickfang und steigert die Neugierde des Lesers. Dabei muss der Texteinstieg nicht explizit damit zu tun haben. Der knackige Titel oder das Foto können durchaus erst später im Artikel zum Thema gemacht werden wie bei diesem Beispiel. Der Einstieg verrät dafür gleich, um was es der Künstlerin bei ihrer Arbeit im Kern geht.

[1]Presseclipping von Haller,
Quelle Münchner Merkur, Isar-Loisachbote


Ein Meister der Konturlosigkeit

Beim Porträt des Malers Michael Dillmann heißt die Überschrift „Ein Meister der Konturlosigkeit“ und die Unterzeile reizt mit ihrer Widersprüchlichkeit: „Je perfekter, desto schlechter das Ergebnis“. Im Gespräch mit dem Künstler stellte sich heraus, dass das Thema mit der Konturlosigkeit in seinen Bildern der wichtigste Aspekt seiner Arbeit ist, deshalb habe ich hier den Einstieg in den Text entsprechend gewählt. Textpassagen, die in Anführungszeichen gesetzt werden, sind Zitate des Protagonisten und machen den Text noch lebendiger.

[2]Presseclipping Michael Dillmann,
Quelle Münchner Merkur, Isar-Loisachbote


Außergewöhnliche Momente

Die promovierte Kunsthistorikerin Sylvia Friedrich-Rust hat schon viel erlebt in ihrem Leben, lernte beispielsweise als Kind Walt Disney persönlich kennen. Sie erwähnte es im Interview nur beiläufig. Für mich war es natürlich der Aufmacher in ihrer Kurzbiografie. Ihre Erlebnisse aus all den Jahren lässt Sylvia Friedrich-Rust heute im Rentenalter mit dem Pinsel Revue passieren. Die autodidaktische Malerin verarbeitet viele Stationen ihres Lebens in expressionistischen Acrylbildern. Wie sie das macht, wie ihr die Gedanken kommen, wie sie überhaupt zur Malerei kam, wird in der Kurzbiografie herausgestellt.

[3]Presseclipping Sylvia Friedrich-Rust,
Quelle Münchner Merkur, Isar-Loisachbote


Tipps zum Schreiben einer Kurzbiografie im Überblick:

  1. Überlegen Sie sich einen besonderen Aspekt ihrer Arbeit, eine kleine Anekdote aus ihrem künstlerischen Lebensweg. Damit beginnen Sie den Text.
  2. Leiten Sie aus ihrem Einstieg einen „roten Faden“ ab, der durch ihren Text führt. Beispiel „Der Weg“ bei Monika von Haller Porträt. „Die Konturlosigkeit“ bei Michael Dillmann.
  3. Fügen Sie in die Geschichte sporadisch Fakten aus Ihrer Vita ein. Alter, Heimatort, Ausbildung, Beruf, Ausstellungen, Familienstand etc. (Lesen Sie dazu die Beispiele)
  4. Finden Sie erst nachdem der Text fertig ist die knackige Überschrift, die den Kern ihrer Persönlichkeit oder ihrer Arbeit auf den Punkt bringt.
  5. Wichtig! Sie brauchen ein gutes Foto mit Ihnen und ihrer Kunst darauf. Bitte nicht „Künstler mit Bild in der Hand“! (Lesen Sie dazu Beitrag „Wie sich Künstler richtig ins Medienbild setzen“ [4])


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Presseclippings mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Künstler