Wie Künstler erfolgreich ihre Kunst verkaufen

Ausstellungen, Organisation, Sammler, Verkaufen, Werbung

Ausstellungsfieber im eigenen Atelier

Ein Erfahrungsbericht über eine Ausstellung im eigenen Atelier von Ulla Neuhaus

Nach vielen sehr kreativen und ausstellungsintensiven Jahren brauchte ich eine Auszeit, eine Erholungsphase, um neue Ideen zu finden, – sowohl im bildnerischen Bereich als auch im Bezug auf eine andere Präsentation meiner Bilder, – einfach, um einmal eine für mich ganz neue Richtung zu finden, – etwas, was es bisher in meinem Leben als Künstlerin noch nicht gab. Ja, natürlich kommt man im Laufe der Zeit zu einem Punkt, an dem man sich fragt, ob es nicht auch eine andere Arbeitsweise oder eine andere Technik gibt, die Spaß machen würde, sie so zu  bewältigen, dass eben aus dieser Technik ein „stolzes“ Werk präsentiert werden kann. Und so wurde probiert und probiert, gearbeitet wie wild, ich ging an meine Grenzen, mußte aber erfahren, dass diese Art, an einem Werk zu arbeiten, wohl doch so nicht der richtige Weg für mich ist. Aber – ich war um eine Erfahrung reicher und wußte plötzlich genau, dass das, was ich bisher gemacht hatte und immer noch mache, für mich richtig ist, – genau so und nicht anders!

Ja, und dann ließ ich in dieser Erholungspause auch die vielen Ausstellungen Revue passieren, – in Rathäusern, in Galerien, Arztpraxen, Banken, Restaurants, in einem Autohaus, in Krankenhäusern, ebenso in Räumen der Stadtverwaltung, sogar einmal in einem Schloß und in einer Gärtnerei, auch im Ausland – wie sind denn all diese Präsentationen verlaufen? Meinen Gedanken folgend stelle ich fest, dass der eigentlich beste Rahmen die Gärtnerei war, denn dort ergab sich in den Gewächshäusern eine wundervolle und auch private Atmosphäre, – erst diese herrlichen tropischen Pflanzen, die bestaunt wurden, dann kam ein großes „Oh“ und „Ah“ beim Anblick meiner Bilder und der Skulpturen eines befreundeten Bildhauers. In diesem etwas eigenen, aber sehr persönlichen Ambiente ging die bildende Kunst eine Symbiose mit der Kunst der Natur ein.

„Nun, wie wäre es denn, wenn ich einmal mein eigenes Atelier zu einer Ausstellung öffnen würde?“ Dieser Gedanke kam plötzlich und unvermutet und ich dachte, – „warum nicht“? „Es wäre sehr viel persönlicher und noch ein wenig privater als in der Gärtnerei, – die gesamte Ausstattung und die Gestaltung dieser Ausstellung läge dann bei mir, bei der Künstlerin, – niemand könnte Vorschriften machen, – ich allein wäre zuständig. Auch könnte dabei der Kontakt zu bisherigen Interessenten und Kunden meiner Kunst intensiviert werden, Verkaufsgespräche lägen auf einer anderen Basis. Menschen, die bisher interessiert waren an meinen Bildern, die sich evtl. selbst mit dem Gedanken getragen haben, auch das Malen zu erlernen, könnten mir hier ganz persönlich bei der Arbeit über die Schulter sehen und Fragen stellen.“
Ohne groß weiter darüber nachzudenken, legte ich einen Termin an einem Wochenende fest, – ein Samstag mußte es sein, – es war mitten im Sommer………..

So nach dem Motto „gesagt, getan“ ging es los, – erst einmal mußten Einladungen gemacht werden, dann Adressen herausgesucht, dann die Einladungen verschickt werden, wobei diese natürlich bei weitem nicht ausreichten, also weiter mit den Einladungen…..Ein Blick auf den Kalender zeigte, es war noch Zeit genug, bloß keinen Streß! Als zweites ging ich meine Bilder durch und prüfte sämtliche Wände, auch die außerhalb des Ateliers, ob genug Platz zum Hängen vorhanden war, sollten die Wände im Atelier nicht ausreichen, – schließlich möchte man bei solch einer Gelegenheit ja möglichst viel seiner eigenen Kunst zeigen. Das Atelier befand sich an das Haus angebaut, war eigentlich groß genug, aber man weiß ja nie, was an diesem Tag alles so auf mich zukommen würde und auch wer…….Wenn nun aber sehr viele Interessenten meine Kunst sehen möchten, was mache ich dann mit ihnen? Ständig stehend wie in einem Rathaus hielt ich nicht für sehr gut, daher plante ich einen kleinen Imbiß ein, damit in Ruhe Gespräche geführt werden können, die dazu nötigen Bierbänke und Tische lieh ich von einer Brauerei. Puh, auch dieser Punkt war gelöst und so ging die Diskussion mit mir selbst um die Hängung der Bilder weiter, – „welches Bild wohin, welches ist dort am besten präsentiert, welche kann ich auch auf dem Boden stehend im Atelier zeigen“…….Lange hat dieses Zwiegespräch gedauert, aber es fanden sich zum Schluß sehr gute Lösungen, – alles paßte!

Einen Tag vor der Vernissage mußte ich mich um Getränke und den kleinen Imbiß kümmern, alle Räume mußten absolut in Ordnung sein, – schließlich muss ja evtl. ein Gast auch einmal die Toilette aufsuchen, auch sind ja vielleicht manche Gäste neugierig im Bezug auf meine Kunst, so dass sie auch durch die anderen Räume „spitzeln“……Nachdem ich ja überhaupt nicht wußte, wie alles denn so ablaufen wird, stieg meine Nervosität ständig……

„Der große Tag ist da und ich weiß überhaupt nicht, was ich zuerst machen soll“……..Es ist Sommer, der Tag ist herrlich, der Himmel strahlend blau und zuerst einmal baue ich draußen im Garten die Bierbänke und Tische auf. Danach geht es an die Vorbereitung des Imbiß, die Getränke werden im Kühlschrank überprüft, – ich merke schon, mein Kopf ist ganz schön durcheinander……“Nur Ruhe, es kann gar nichts schiefgehen, – alles immer schön der Reihe nach“….. So, – draußen sind die Tische mit Gläsern und Tellern, Besteck, Aschenbechern und Servietten versorgt, drinnen hängen die Bilder gut, im Atelier ist alles in Ordnung und so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vorsorglich habe ich an verschiedenen Stellen meine Visitenkarten, Preislisten und kleine Schälchen mit Pralinen arrangiert, – nicht nur im Atelier, sondern auch in den übrigen Räumen, – „man weiß ja nie“……..“

Sehr schnell verging die Zeit und eher als gedacht waren die ersten Kunstinteressierten schon da. Freunde brachten Freunde mit, viele Künstlerkollegen kamen, begleitet wiederum von deren Kollegen und Freunden, auch fremde Interessenten besuchten mich, um sich über meine Kunst zu informieren. Das Atelier füllte sich, der Platz reichte nicht mehr aus, man wich auch auf die anderen Räume aus. Es gab sehr viele Gespräche und Diskussionen, – mir schien, alle, die gekommen waren, fühlten sich sehr wohl. Künstler führten untereinander intensive Fachgespräche, andere Kunstinteressierte wiederum waren froh, die Künstlerin einmal ganz privat zu erleben und ganz unbedarft mit ihr reden zu können, natürlich waren sie auch sehr neugierig, die Künstlerin einmal bei der Arbeit zu sehen. An der Staffelei sitzend, wurden mir sehr viele Fragen gestellt und manche fanden es einfach nur erstaunlich, wie man seine künstlerischen Ideen dann mit Farben in ein Bild umsetzt, – die eigene Komposition zu kreieren hatten viele meiner Gäste noch nie so hautnah bei und mit einem Künstler erlebt. Sehr interessant fand ich selbst auch, dass die Sichtweise mehrerer Menschen, die eins meiner Bilder zusammen betrachteten, total unterschiedlich war, – sie sahen darin etwas, das ich selbst so nie gesehen hatte, aber durchaus auch möglich war, – wie immens groß sind doch in jedem kunstinteressierten Menschen Fantasie und Vorstellungskraft!

Nach Gängen durch das Atelier und Aufenthalten auch in den anderen Räumen traf man sich im Garten zu weiteren Gesprächen, zum Imbiß und auch, um etwas zu trinken. Es herrschte eine angenehme, sehr lockere Stimmung, alle kamen sich durch Gespräche näher und Verhandlungen über Bilder verliefen sehr viel gelöster als sonst. Mit dem Verkauf, der hierbei zustande kam, war ich mehr als zufrieden, – die Kontakte zu Sammlern und Interessenten wurden sehr vertieft, ebenso zu Künstlerfreunden, – auch gab es mehrere Damen, die bei mir Unterricht nehmen wollten, ein Termin hierzu wurde ausgemacht. Es war ein sehr diskussionsreicher, kunstintensiver, humoristischer und harmonischer Abend, der lange nicht enden wollte.

Viele bei dieser Vernissage geschlossene Bekanntschaften halten noch bis heute an, – es war ein unvergeßliches Erlebnis. Diese Erfahrung war es wert, sie zu machen.

Husum, 21.06.2011

Foto Copyright © iStockphoto.com/JuneStock

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  1. Liebe Ulla,
    vielen Dank für Deinen schönen Bericht, es freut mich das Deine Ausstellung so gut gelaufen ist.
    Viele Grüße
    Petra

  2. Hallo Ulla,
    Das ist ein sehr interessanter Bericht. Herzliche Gratulation zu Deiner tolle Idee. Meine 5 Kolleginnen und ich betreiben ein Gemeinschaftsatelier und haben unsere erste Ausstellung auch in diesen Räumen abgehalten und dazu eine Digitalschau, produziert von einem Bekannten, präsentiert. Dies kam ausgezeichnet an. Es besuchten uns in 2 Tagen über 300 Kunstinteressierte. Man muss sich nur etwas trauen und gute Ideen haben. Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und vielleicht besuchst Du uns mal auf unserer Vereinsseite.
    http://www.bremg-art.ch
    Liebe Grüsse aus der Schweiz. Christine

  3. Hallo Frau Neuhaus, toller Erfahrungsbericht
    Ihrer Atelier-Ausstellung. Das zeigt doch immer wieder, dass man mit eigenen Aktivitäten vieles
    bewirken kann. Ich habe letzten Sommer mit
    mehreren Künstler-Kollegen auch eine Ausstellung
    in einem tollen blühenden Garten mit organisiert.
    „Kunstrausch“ nannten wir die Ausstellung die
    ein voller Erfolg wurde.
    Es ist, wie Sie auch sagen, einfach lockerer, zwangloser und auch Diskussionsfreudiger. man kommt einfach schneller ins Gespräch.
    Alles Gute wünsche ich Ihnen für Ihre weitere
    künstlerische Arbeit, und natürlich die beste Gesundheit. Rudi Ewald Jüngst.

  4. Liebe Ulla, schon vorher konnte ich erfahren, dass du gute Ideen hast, also nicht nur kreativ an der Leinwand, sondern auch im lebenspraktischen Sinn bist. Ich freu mich mit dir, und ich danke dir tausendmal, dass du deine Erfahrung hier mit uns teilst. Damit machst du mir sehr viel Mut und bringst mich auf ganz neue, eigene Ideen. Denn du hast diese Ausstellung „einfach“ aus dem Bauch heraus organisiert und so wie du es schreibst, ergab sich alles drum herum ganz ungezwungen. Das ist eine Idee, die ich ebenfalls immer wieder anstrebe: Kunst (und Musik eingeschlossen) zu den Menschen bringen – egal wo das ist. So entsteht nicht nur eine angenehm vertrauliche Atmosphäre, sondern Kunst und miteinander bekommt Raum, unabhängig von Veranstaltern, Geldgebern und Gönnern, und es kommen auch mal Menschen, die normalerweise sonst nie Ausstellungen besuchen.
    Ein guter neuer Weg – auf dem ich dir weiterhin viel Erfolg und Kreativität wünsche!
    Es grüßt dich lieb
    Bernadette

  5. Marita Schoeller

    Hallo Ulla,
    eine sehr schöne Erfahrung, herzlichen Glückwunsch dazu. Ich habe auch schon einige Ausstellungen gehabt, mit mehr oder auch weniger Erfolg. Aber so ganz privat wäre sicher eine bessere Möglichkeit.
    Weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße aus Neuss
    Marita Schoeller

  6. Bei uns in Niederösterreich gibt es schon seit einigen Jahren die wunderbare Einrichtung der Tage der Offenen Ateliers. Getragen und beworben von der kulturvernetzung.Alljährlich ist das zweite Wochenende im Oktober dafür reserviert.
    Die Auftaktveranstaltung ,bei der die kostenlosen Werbemittel verteilt werden, ist ein Treffpunkt der Künstler, Politiker und Presse und bietet bei einem vom Landeshauptmann Pröll gestifteten Buffet Gelegenheit zum Gedankenaustausch.
    Vom Publikum sind die Tage der Offenen Ateliers gut angenommen und ich selbst habe bei mir zu Hause schon viele tolle Leute zu Gast gehabt ,habe neue Kunden und Schüler kennengelernt.Ich biete als Zusatzprogramm Kammermusik an, da ich auch in der Musikszene viele gute Freunde habe.Der Samstag abend geht in ein geselliges Zusammensein von Musikern, Malerkollegen,Freunden und und dann nicht mehr fremden Gästen über.
    Ich freue mich schon auf die vielen netten Kontakte, die auch heuer sicher wieder zustande kommen werden.

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