Wie Künstler erfolgreich ihre Kunst verkaufen

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Visitenkarten – Mit New York fing alles an

Im Gespräch mit der Malerin Renate Thalhammer

Durch die Ausbildung zur Dekorateurin fand Renate Thalhammer früh den Zugang zum  kreativen Gestalten. Auch ihr Vater, ein anerkannter Holzschnitzer, prägte ihren künstlerischen Werdegang. Vor 15 Jahren begann die heute 53-jährige Künstlerin zu malen. Ihre Bilder haben Seele, doch in ihrer Heimatstadt Wolfratshausen, im Münchner Süden, wurde sie nicht wahrgenommen. Inzwischen hat Renate Thalhammer in New York und Bologna ausgestellt und ist mit einer Galerie in London in Kontakt.

New York, Bologna, London. Das klingt ja wie im Märchen. Wie haben Sie das geschafft?
Mein Traum war Paris, London, New York – und genau anders herum hat alles begonnen. Für mich war klar: Wolfratshausen, das kann doch nicht alles sein. Natürlich wollte ich zuerst in einer örtlichen Galerie ausstellen. Doch die wollten eine Mappe sehen, wissen auf welcher Akademie ich war und schließlich kam es zu keiner Zusage. Das hat mich erst recht angespornt. Ich dachte mir, wenn nicht hier, dann gehe ich eben in die Welt hinaus. Ich recherchierte im Internet und fand per Zufall eine Ausschreibung der New Yorker Galerie „Agora Gallery“ in Chelsea, die internationale Künstler für eine große Ausstellung suchte. Ich bewarb mich einfach, hörte dann eine Weile nichts und genau zu meinem 50sten Geburtstag kam ein Brief. Ich konnte es nicht glauben, aber mein Traum wurde wahr.

Warum hat man sich für Ihre Kunst entschieden?
Ich bin vor 15 Jahren über die Astrologie zum Malen gekommen. Irgendwie hatte ich damals gespürt, dass da was in mir steckt, das raus will. Ich male mit Leib und Seele, wenn es sein muss Nächte lang. Ich sage nie zu einem Bild, das passt schon – das wäre für mich unbefriedigend. Malen ist für mich kein Kompromiss. Jedes Bild von mir, ist ein Teil von mir. Vielleicht macht diese Tatsache meine Kunst so authentisch.

Sie haben sich also auf die Ausstellung in New York eingelassen. Das fordert Mut. Wie ist es denn abgelaufen?  
Ja, im Nachhinein muss ich gestehen, ich bin an meine Grenzen gegangen. Die Vorbereitungen dauerten ein Jahr. Da kann man leicht umkippen und nein sagen. Ich musste permanent mit der Galerie in Englisch kommunizieren, Mails hin und her schicken, die Vita erstellen und was die größte Herausforderung für mich war: Wie funktioniert der Versand meiner Bilder?

Hat das alles geklappt?
Je größer die Bilder, desto teurer. Deshalb habe ich die Leinwände abgespannt und in Transportrollen verpackt. Die Galerien spannen die Bilder wieder auf, das ist kein Problem. Dennoch musste ich viele offene Fragen klären. Zum Beispiel: Welche Spedition macht sowas, was kostet der Transport, was passiert beim Zoll? Niemand hat mir bei den Vorbereitungen geholfen. Es war nicht billig, aber ich bereue nichts.

Wie war es denn dann in New York?
Es war einmalig. Ich habe tolle Leute kennengelernt, tolle Reaktionen auf meine Bilder bekommen, hohe Anerkennung. Ich war eine von sieben deutschen Künstlern. Ich sagte damals: „Zwickt mich bitte“, dass ich wusste, dass ich nicht träume.

Was hat es Ihnen persönlich gebracht und was Ihrer künstlerischen Arbeit?
Zum Beispiel habe ich meine Flugangst überwunden, auf das bin ich bis heute stolz. Und ich bin in meiner künstlerischen Arbeit selbstbewusster geworden. Ich trau mich einfach was. Kürzlich war ich in London und bin in eine Galerie hineinspaziert und habe meine Visitenkarte fallen lassen. Das heißt, ich habe sie irgendwo hingelegt und bin gegangen. Seitdem bekomme ich Einladungen nach London. Bisher kam es zwar noch zu keiner Ausstellung mit meinen Bildern, dafür kam plötzlich ein Angebot aus Bologna.

Sie haben auch in Bologna ausgestellt?
Ich durfte heuer im Frühjahr auf der „Little Treasure – mostra internationale d’Art“, als eine von 90 Künstlern aus der ganzen Welt ausstellen. Ich weiß bis heute ehrlich gesagt nicht genau, wie ich zu der Ehre kam. Ich glaube aber, dass es eventuell mit der Visitenkarte, die ich in der Londoner Galerie hinterlassen habe, zu tun hat.

Welche Erfahrungen haben sie aus all dem gezogen?
Dass vieles möglich ist, wenn man über den Rand hinausschaut und sich aus dem gewohnten Umkreis heraus traut. Man findet sich selbst und gewinnt Vertrauen, um einfach zu schauen was passiert. Nur wer das tut, wird diese Erfahrung machen. Und man muss es tun, wenn der Zeitpunkt passt – ein Jahr später, wäre es bei mir zu spät gewesen. Die Ausstellung in New York war mein Zeitpunkt und ich bin stolz, dass ich ihn genutzt habe.

Zusammenfassung
Renate Thalhammer ist eine begabte Malerin. Ihre Bilder sind emotional, feminin und ausdrucksstark. Doch das alleine öffnet nicht die Türen der renommierten Galerien. Das Beispiel dieser Künstlerin zeigt uns, dass man nicht berühmt sein muss, um international auszustellen. Man muss zu sich und seiner Arbeit stehen, Mut und Selbstvertrauen haben und selbst aktiv werden. Warum wecken bei uns die großen Metropolen wie London, Bologna und New York das Interesse? Weil es etwas Besonderes ist, dort auszustellen, wo die internationale Kunst gemacht wird, wo das Medieninteresse groß ist. Ist einmal der der Zugang zu so einer Galerie geschafft, kann allein diese Tatsache neue Möglichkeiten eröffnen. Bei Renate Thalhammer hat sich dadurch auch die Ausstellung in Bologna ergeben und weitere, da ist sie sicher, werden folgen. Allein diese Referenz – egal ob das eine kleine Galerie oder die erste Adresse vor Ort ist – erweckt die Neugier der anderen. Hier geht es nicht zuerst um den direkten Verkauf, hier geht es vor allem um den besonderen Eintrag in der Vita.

Zur Website von Renate Thalhammer
http://www.art-mine.com/artistpage/renate_thalhammer.aspx

© 2013 Interview und mittleres Foto von Andrea Weber und die anderen beiden Fotos mit freundlicher Genehmigung von Renate Thalhammer.

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