Wie Künstler erfolgreich ihre Kunst verkaufen

Ausstellungen, Bekanntheit / Reputation, PR / Pressearbeit, Preis / Wert

Brotlose Kunst? Lange Durststrecken auf dem Weg zum Traumberuf „Maler“

Die wirtschaftliche Situation Bildender Künstler und Künstlerinnen und die Frage: Haben es die Frauen schwerer?

Dass die meisten Künstler von ihrer Arbeit nicht reich werden, dürfte nichts Neues sein. Laut einer Umfrage von 2007/ 2008 vom Bundesverband Bildender Künstler (BBK) haben es auch in dieser Branche die Frauen schwerer als die Männer Geld zu verdienen, Karriere zu machen, in Galerien auszustellen. Warum das so ist, verrät die Studie leider nicht. Aber stimmt das denn überhaupt?

Kürzlich las ich den Beitrag „Malen und zahlen“ in der netzeitung.de. Darin hieß es: „Besonders hart ist das Geschäft für Frauen – für den Traumberuf Malerin nehmen sie lange Durststrecken in Kauf.“ Zum ersten Mal kamen mir selbst Gedanken über meinen eigenen künstlerischen Werdegang, respektive Erfolg. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht von der Kunst lebe. Doch die Malerei gehört zu meinem Leben und auch regelmäßige Ausstellung, um mich in der Öffentlichkeit darzustellen. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass ich auf den großen Durchbruch warte, aber leider bleiben auch kleine Erfolge aus. Vielleicht mangelt es an meinem Können, an meiner Künstler-Vita? Doch ich denke eher, es mangelt an meiner Selbstdarstellung.


Aus der Vernissage wurde ein Konzert

2007 stellte ich in einem Seminarhaus aus, das sich damals gerade zur Galerie mauserte und weit entfernt von guter Public Relation war. Also lud ich die Zeitungen per Pressemitteilung selbst ein – schließlich bin ich Journalistin. Auf meiner Vernissage spielte ein befreundeter Pianist. Ich merkte nicht, dass ich in meinem eigenen Pressetext zu meiner Ausstellung den Schwerpunkt merkwürdigerweise auf das schicksalsträchtige Leben des Pianisten legte. Über mich schrieb ich banal: „Sie malt nur dann, wenn ihr Lebensweg ins Stocken gerät, wenn sie den Kurs wieder einmal korrigieren muss …“ Oder so was ähnlich Aussageloses. Das dicke Ende kam prompt:  Am Folgetag stand in der Zeitung: „Klassisches Konzert mit einer Ausstellung der Münchner Malerin Andrea Weber.“ Man hatte mir gerade mal einen Absatz im Beitrag spendiert.


Sind Enthusiasmus und die Professionalität wichtiger als das Geschlecht?

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Der Galerist und Maler Klaus Grape kann allerdings nicht bestätigen, dass sich Frauen generell schlechter verkaufen als Männer. Er betreibt in Wolfratshausen, südlich von München, die Galerie „Kunstraum“ und weiß, wie wichtig die Außenwirkung von Künstlern ist. „Hängen die Bilder schief und lieblos am Haken, dann irritiert das die Besucher. Genauso wichtig ist ein aussagekräftiger Titel der Ausstellung und eine professionelle Einladung.“ Das unterschätzen viele Künstler. „Man hört einfach zu oft von Malern, sie hätten ihre Innenansichten dargestellt. Das sind dann die Bilder mit dem typischen Titel „Ohne Worte“. Ich glaube, Künstler wollen ausstellen, haben jedoch oft Angst zu viel von sich Preis zu geben.“ Wichtig sind der Enthusiasmus und die Professionalität und hier sieht der Galerist keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern.


In der Bildenden Kunst ist langes Durchhaltevermögen gefordert

Freiberufliche Maler und Malerinnen leben oft an der Armutsgrenze. Es ist ein Fulltimejob, bei dem der Durchbruch in der Kunstszene nur mit harter Arbeit, langem Durchhaltevermögen und oftmals eigenen Geldinvestitionen zu schaffen ist. In der netzeitung heißt es: „600 Euro im Monat kostet die Grundausstattung für die Kunst. Darin enthalten sind Materialkosten für Leinwände, Pinsel, Farben, Gebühren für Ausstellungen, Produktionskosten von Katalogen und schließlich die Ateliermiete.“
Und die ist bei Gott ein wichtiger Aspekt. Laut der BBK-Umfrage 2007/2008 sind Ateliers durchschnittlich rund 74 qm groß und kosten 250 Euro Kaltmiete pro Monat.  40 Prozent der Befragten leben in Großstädten, das sind vor allem die jüngeren Künstler und hier insbesondere die Frauen. Bei gut 10 Prozent der Befragten sieht die Ateliersituation in Zukunft bei den steigenden Mietnebenkosten nicht rosig aus.


Vom Verkauf der Kunstwerke können die wenigsten Leben

Künstler brauchen einen Zusatzerwerb, meist ist es eine Lehrtätigkeit. Frauen verdienten im Jahr 2007 aus dem Verkauf ihrer Kunstwerke laut BBK-Umfrage durchschnittlich 5816 Euro und Männer 8455 Euro. Auch die Durchschnittseinnahmen aus der Lehrtätigkeit liegen bei den Künstlerinnen mit 5469 Euro deutlich niedriger als mit 6094 Euro bei ihren männlichen Kollegen. Obwohl, laut Umfrage, bei den Frauen mit der Anteil der Autodidaktinnen mit 15,7 Prozent wesentlich kleiner ist als bei den Künstlern, hier sind es 20 Prozent Quereinsteiger, arbeiten Frauen oft nur an Volkshochschulen oder im Privatunterricht. Ihre männlichen Kollegen verdienen mehrheitlich auf Akademien, Hochschulen und Gymnasien ihr Geld in Festanstellung dazu.


Ausstellungsmöglichkeiten sind für alle schwierig

Klaus Grape hat es als Maler geschafft. Seit fünf Jahren lebt der gelernte Architekt von seinen Bildern. Mit seinem „Kunstraum“ hat er sich einen Traum erfüllt. Er will zeitgenössischen Malern eine Ausstellungsmöglichkeit bieten, weil er weiß, wie schwierig das für die Künstler ist. Grape: „Die renommierten Münchner Galerien haben ihren festen Künstlerstamm und stellen turnusmäßig nur deren neueste Arbeiten aus. Da kommst du, selbst als hervorragender Künstler nicht rein.“ Also bleiben die Sparkassen, Banken und Arztpraxen, die sich gerne von den Künstlern ihre Räume dekorieren lassen. In seinem Kunstraum hat das Ganze eine andere Dimension. Hier können die Künstler sich und ihre Arbeiten optimal präsentieren und hier kommen die Besucher nur wegen der Kunst vorbei – egal ob das nun Frauen oder Männer sind.

Noch ein Tipp von mir: Ich habe dazugelernt, was meine falsche Bescheidenheit angeht. Man kennt das ja: Je mehr der Fehler weh tut, desto eher macht man ihn kein zweites Mal. Damals war ich fassungslos und wütend, rief in der Redaktion an und bezichtigte sie mangelnder Recherche. Mich kostete die Ausstellung, die zum Konzert des Pianisten wurde, bare Münze. Das war der Preis, den ich für meine Bescheidenheit zahlte. Ich wurde zum Nebendarsteller degradiert. Heute weiß ich, wenn ich mich in der Öffentlichkeit präsentieren will, dann ist Zurückhaltung fehl am Platz. Ich habe inzwischen einen sehr guten Pressetext parat, der mich in Person authentisch zeigt und mein Können, meinen Werdegang, meine Intention deutlich zum Ausdruck bringt. Auf meinen Plakaten, Rundmails und Einladungsflyer stehen nur ich und meine Kunst im Mittelpunkt, alles andere bleibt dezent als Rahmenprogramm im Hintergrund.

Der „Wolfratshauser Kunstraum“ von Klaus Grape:
www.kunstraum-wolfratshausen.de


(Foto Klaus Grape von Andrea Weber)

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  1. Die Zahl der Galerien, die ihre Räume zeitweise an Künstler vermieten, steigt. Das belegt, dass es ein sehr gutes Geschäft geworden ist. Nutzen kann das aber nur der Künstler, der genug Geld hat, um Anreisekosten, Verpflegung, Galeriemiete und Bildertransport auch zu bezahlen. Da kommen schnell mal 1000 Euro zusammen. Die Garantie, angesichts dieser Vorleistungen etwas zu verkaufen ist nicht gegeben. Immerhin nimmt dieser Anbieter keine Provision – aber für mich bleibt trotzdem festzustellen, dass wir längst eine Zwei- oder Dreiklassenkunst haben, in der die meisten auf der Strecke bleiben. Darunter auch sehr gute Künstler!

  2. Es ist wie hier geschrieben wird, ein steiniger Weg. Mir fehlen auch die finanziellen Mittel um voran zu kommen. So versuche ich es mit viel Fleiß! dass heißt weiter malen und positiv nach vorn schauen. Irgendwann wird sich eine Tür auch für mich öffnen. Ich bin stolz auf mich, auf meine vorbildliche Leistung,auf dass was ich kann!Viele Bilder hängen von mir schon in verschiedenen Städten und Räumen. Für mich ein Erfolg!!

  3. Wenn Galerien ihre Räume an Künstler für Ausstellungen vermieten zeigt das meines Erachtens eher, dass sie selber mit der Vermarktung ihrer Künstler, die sie betreuen, nicht genug Geld machen können und gerne die Möglichkeit einer weiteren Einnahmequelle nutzen. Ich finde es aber schon eine gute Sache, wenn man so wenigstens seine Werke in einem repräsentativen Umfeld präsentieren kann, wo auch die Hängemöglichkeiten und eine vernünftige Beleuchtung vorhanden ist. Alles kostet Geld. Selbst wenn man mit seinen Bildern die Wände von Büros, Praxen oder Restaurants schmückt, fallen häufig bei Verkäufen Provisionen an. Die Chance, in einer Galerie Bilder zu verkaufen, ist immer größer, denn wer dort reinschaut, ist schon mal an Kunst interessiert und wird eher etwas kaufen.

  4. Der Artikel ist sehr interessant. Ich habe ihn mir gleich 2 mal durchgelesen. Es stimmt immer wieder
    das „Klappern zu Handwerk“ gehört. Nur jedem liegt halt das klappern nicht so sehr. Ich habe es letztens erlebt, das eine mir bekannte Journalistin (die jetzt Künstlerin ist) so geklappert hat, das die Vernissage in meinen Augen ein Reinfall war.

  5. Mit grossem Interesse habe ich den Artikel und die Kommentare gelesen. Seit einiger Zeit male ich auch „aus dem Bauch“, ohne jetliche Schulung und Theorie, einfach um Lebenskrisen leichter zu verkraften. Die Ergebnisse erfreuen mich sehr und eigentlich erfüllen sie ihren Zweck. Es hat sich mit der Zeit einiges angesammelt und ich träume leise von einer eigenen Ausstellung. Dabei grübele ich darüber wo die Magie der Verführung zum Kauf eines Gemäldes steckt. Meiner Meinung nach besteht das Hauptproblem daran, dass der Künstler eigentlich von sich heraus und für sich malt. Also, die Wahrscheinlichkeit einen Gleichgesinnten zu finden ist wie beim Lotto . Auch wenn es um kommerzielle Sammler geht. Kurz gesagt – solange wir nur das malen, was unserer „Geige“ entspricht, bleiben wir mit unseren Kunststücken alleine , oder „darauf sitzen“. Aber – der Sinn und Zweck der Kunst ist der Geist und nicht die Geldbörse, oder? Ich verschenke viele meiner Bilder. Nauv, ne?

  6. Auch Ich fühle mich angesprochen von diesem Artikel.
    Der Druck kunst zu verkaufen ist oft so groß das man vergisst ,warum man eigentlich malt.Seit Ich begonnen habe mit meinen Bildern in die Öffentlichkeit zu gehen ,musste Ich feststellen wie frustrierend das sein kann,das ging so weit das Ich aufhören wollte.Doch um die positiven Aspekte hervor zu holen,es ist ein tolles Gefühl wenn man ein Bild verkauft,die Erfahrung durfte ich auch machen und dafür lohnt es sich dann auch aber nicht des Geldes wegen sondern weil da drausen Leute sind,die deine Werke schätzen ,egeal wie viel es sind.Mit Galerien habe Ich keine guten Erfahrungen gemacht ausser mit meiner eigenen, die Ich eröffnet habe um nicht mehr Türklinken putzen zu müssen.Sie ist zwar nicht immer voll besucht aber um weiter zu machen reicht es mir.Man sollte seinen Erfolg nicht all zu sehr von anderen Abhängig machen!

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