Wie Künstler erfolgreich ihre Kunst verkaufen

Bekanntheit / Reputation, PR / Pressearbeit, Preis / Wert, Verkaufen

Ein kreativer Kopf mit rationalem Geschäftssinn: Damien Hirst im Gespräch mit „Monopol“

Der britische Künstler Damien Hirst erzielt göttliche Preise für seine Kunstwerke. Mit dem in Formaldehyd eingelegten Tigerhai wurde er weltbekannt. 10 Millionen Euro hat ein amerikanischer Kunstsammler dafür bezahlt. 2007 brach Hirst den Rekord aller bisherigen Preisklassen für zeitgenössische Kunstwerke als lebender Künstler: Sein mit 8601 Diamanten besetzter Totenschädel brachte ihm 74 Millionen Euro ein. Damit ist der Brite der bestverdienendste Künstler aller Zeiten. Kürzlich sprach das Kunstmagazin Monopol mit Damien Hirst in einem Exklusiv-Interview über seine Arbeit, was sie ihm und der Kunstwelt bedeutet.

damien-hirst-250pxIm September 2008 sorgte das britische Auktionshaus Sotheby für Furore. Es war die weltweit erste Auktion von Kunstwerken eines lebenden Künstlers. Ein Aufschrei ging durch die Kunstszene, weil Hirst vorbei an den Galerien, seine Arbeiten selbst unter den Hammer brachte.

„Ich fand es war nötig das Tabu zu brechen, Künstler könnten nicht direkt verkaufen.“

223 Objekte lies er bei der Auktion versteigern, darunter die in Formaldehyd eingelegten Haie und Kälber, die aus gewaltigen Glasvitrinen glotzen, als würden sie noch leben. Am Ende brachte ihm die Versteigerung 140 Millionen Euro ein und zwar genau an dem Tag, als Lehman Brothers ihren Bankrott erklärten und die Weltwirtschaftskrise begann. Das Kunstmagazin Monopol kommentierte die Auktion als einen „historischen Coup.“
War das pures Glück oder spekulierte Hirst mit der Situation der Weltwirtschaft?

„Wenn du verrücktes Zeug machst, kommt Verrücktes dabei heraus.“

Hätte er gewusst, dass in derselben Woche der Finanzmarkt kollabiert, hätte er die ganze Aktion abgeblasen, gibt er zu. Trotzdem hat Hirst alles zu Rekordpreisen verkauft. „Wir befinden uns jetzt in einer neuen Phase. Aber wenn man sich die Kunst anschaut, sieht sie immer noch großartig aus.“ Für ihn war der Crash jedenfalls der richtige Zeitpunkt, sich von seiner bisherigen Arbeit zu verabschieden.

„Mir wurde klar, ich drücke nichts Neues mehr aus. Wenn man soweit ist, sollte man sich verabschieden können.“

Seit der Auktion, die einem Räumungsverkauf glich, geht er weg von seinen konzeptionellen Spin- und Spot-Paintings, wie er selbst meint nur Etüden seiner Malerei. Sein neues Thema sind Fact-Paintings – Gemälde von Fotografien. Er besinnt sich auf kleinformatige Ausführungen, will weg von ausschweifenden Ausstellungen.
Hirst hat sein Leben verändert, seitdem er Vater ist. Er ist reifer geworden, vielleicht ein wenig ruhiger und durch seinen Erfolg auch selbstbewusster. Wie viele seiner Künstlerkollegen hat auch er ein exzessives Leben hinter sich, hat jahrelang mit dem Alkoholkonsum „drastisch“ übertrieben, gibt er zu. Obwohl er das eine Zeit lang durchaus faszinierend fand, machten in schließlich die Drogen doch zu einem „langweiligen, nervenden Arschloch“. Nach der Entwöhnung musste er das Leben grundlegend wieder neu erlernen. Seine Kunst sei dabei viel besser geworden und das sei das Beste was passieren konnte, sagt Hirst im Interview.

„Nüchtern kann man malen, als wäre man betrunken, umgekehrt geht das nicht.“

Damien Hirsts stärkste Arbeiten sind die, in denen er die Unergründlichkeit des Todes thematisiert und die Betrachter somit auffordert, sich mit ihm auseinanderzusetzten. Je wohlhabender und technisch fortschrittlicher Kulturen sind, desto mehr wird der Tod vergessen.

„Früher dachte ich, ich lebe ewig. Ich stand auf dem Tisch und schrie: Ich kann nicht verlieren. Jetzt sitze ich auf dem Boden und habe gemerkt: Fuck, wir können sterben.“ Als Künstler darf man den Tod nicht ignorieren.“

In seinen Ideen verarbeitet er die eigene Angst vor dem Tod. Spektakulär bleibt der diamantenbesetzte Totenschädel „For The Love Of God.“ „Es war das Maximum. Ein Versuch den Tod zu besiegen.“ 14 Millionen Euro kostete die Herstellung, eine gigantische Summe, die der Brite investierte, in einer Zeit, wo auf dem Kunstmarkt das Geld in Strömen floss. Er wusste, seine Idee wird funktionieren, weil seine Arbeiten nicht reproduzierbar sind. Dabei geht es ihm nicht allein um die Idee dahinter, sondern um die direkte Erfahrung mit seinem Kunstwerk.

„Sie glauben der Preis sei unverhältnismäßig. Sie haben den Schädel nicht gesehen.“

Den Totenschädel verkaufte Hirst schließlich für 74 Millionen Euro. Je teurer seine Arbeiten werden, desto gefragter sind sie auf dem Markt. Es gefällt ihm nicht, dass die Käufer den Geldwert seiner Kunst mehr schätzen, als die eigentliche Bedeutung, die er ihnen gibt. Er weiß, dass 95 Prozent seiner Verkäufe weiter verscherbelt werden. Schon einmal hat er sein eigenes Kunstwerk am Markt zurückgekauft und wieder verschenkt.

„Kunst ist mächtiger als Geld und wichtiger sowieso. Alles, woran ich glaube, beruht auf dieser Haltung. Egal, wie schlecht es geht, man braucht schöne Dinge.“

Mit der spektakulären Sotheby- Auktion ist Damien Hirsts Kunst zum Symbol einer Marktblase vor dem Platzen geworden, so bezeichnet es Monopol. Der Künstler selbst nimmt das gelassen, weil er im Grunde ein guter Geschäftsmann ist. Auch die Skulpturen des Amerikaners Jeff Koons verkörpern Reichtum und Geld, aber auch bei Koons Kunst ist es die direkte Erfahrung, die fasziniert. Damien Hirst ist es jedenfalls so ergangen, als er die Koons-Schau in Versailles besuchte. „Seine Skulpturen wirkten fantastisch in diesem Ludwig-XIV.-Ambiente. Wen interessiert in so einem Augenblick die Finanzkrise?“

Hier finden Sie Damien Hirst und seine Arbeiten auf zahlreichen Fotografien abgebildet.
http://images.google.de/images?q=damien+hirst

Link zur Ausstellung, in der der mit Diamenten besetzte Schädel gezeigt wurde:
http://www.whitecube.com/exhibitions/beyond_belief/for_the_love_of_god/

Das Interview erschien 2009 in der Zeitschrift Monopol:
http://www.monopol-magazin.com/

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  1. damien hirst – hier braucht man keinen neid zu haben – ein einzigartiger künstler…er besitzt die nötige arroganz und gelassenheit, um nicht verkrampft seine kunst zu verkaufen – wie so oft, wenn menschen versuchen krampfhaft erfolgreich zu sein, haben sie meist schon verloren.

    http://www.peopleandmoments.at – reisefotografie, fotobuch und bilder – travel.shoot.enjoy

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