Wie Künstler erfolgreich ihre Kunst verkaufen

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Lernen von alten Meistern: Spicken ist erlaubt

Zwei identische Bilder und doch steckt in ihnen soviel Wandel der Zeit. Anhand von Gemälde-Rekonstruktionen alter Meister studierten angehende Mediendesigner Komposition, Ausdruck und Farbe und machten daraus ein spannendes Buchprojekt.

Mediendesign-Professors Christian Fries und seine Studenten an der Furtwangener Hochschule nahmen sich berühmte Meisterwerke aus der Kunstgeschichte vor und stellten diese Gemälde detailgetreu auf einer Fotografie nach. Doch sie haben das Original nicht einfach abgeknipst und darin herum retuschiert, sondern rekonstruierten das Motiv in einer realen Umgebung mit Personen und Sachgegenständen. Bei Bildinhalt, Farben und Lichtverhältnisse blieben sie so nah wie möglich am gemalten Original. Schaut man nicht genau hin, fällt tatsächlich momentan kaum ein Unterschied auf, zwischen alt und gemalt, und neu und fotografiert. Doch das täuscht, denn die Studenten waren dreist und verpassten den ehrwürdigen Klassiker zeitgemäße „Kunstfehler“.

Ein Beispiel: Das Gemälde „Morgentoilette“, aus dem Jahr 1837 von Christoffer Wilhelm Eckersberg, spiegelt das „Goldene Zeitalter“ Dänemarks wieder. Zu sehen ist eine anmutige, nackte Frau vor einem Spiegel. Ein weißes Tuch umhüllt ihre Hüften und sie betrachtet verträumt ihr Ebenbild. Auch auf der Fotografie der Studenten ist die Dame vor dem Spiegel zu sehen. Nur ein winziges Detail weicht von der gemalten Vorlage ab: Es ist das Tattoo auf dem Rücken der Frau, das die Szene in die Gegenwart transportiert.

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Von den exakten Ausführungen und den kompositorischen Mitteln alter Meister kann man nur lernen.  Etwa, wie sich durch die Bildkomposition, Licht und Farbe die Ausdruckskraft steigern lässt. Gerne sitzen demnach Kunstschüler in Ausstellungen, um klassische Malerei zu kopieren. Wer später einen eigenen Stil finden will, muss das Handwerk beherrschen. Kürzlich hat mir eine Künstlerin das schön erklärt. Sie sagte: „Was will ein Maler, der sich zur abstrakten Kunst hin entwickelt, weglassen, wenn vorher nichts da war.“

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Fries und seine Studenten haben aus ihrer Projektarbeit ein Buchprojekt  gemacht, das sich gut vermarkten lässt und auf Medieninteresse stößt. Ihr Bildband mit dem Titel „Kunst erneuern – Ein Jungbrunnen für Alte Meister“ ist spannend, teilweise recht frech und fasziniert. Die Bilderpaare darin reizen auf Entdeckungsreise zu gehen, nach dem Unterschied zu suchen und zeigen zugleich den Wandel der Gesellschaft über Jahrhunderte. Es ist ein Kunstgenuss der besonderen Art und ein schönes Beispiel, wie man aus einem Lehrprojekt ein Verkaufsprodukt machen kann.

Das Buch „Kunst erneuern – Ein Jungbrunnen für Alte Meister“ ist über den Prestel-Verlag erhältlich:
http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=334322&pub=58000

Weitere Bild-Paare finden Sie in der Bildergalerie von 1&1:
http://portal.1und1.de/de/themen/unterhaltung/bildergalerien/7360322,image=0.html

(Fotos veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Prestel-Verlags)

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  1. Guten Tag,
    Ich finde das Bemühen der Studenten unter der Leitung ihres Mentors großartig und die Idee alleine, alten Meistern auf die Weise zu kopieren, sehr interessant. Bis jetzt hat das niemand getan – mindestens weiß ich nicht davon. Oder doch: Verona Pott bei der Eröffnung ihrer neuen Sendung versuchte den „Psychedelischen Tanz“ von Braig zu imitieren. Die Innovation zeigte sich dabei in dem, dass Verona mit einem Musikinstrument in der Mitte posierte, während zwei mänliche Moderatoren die Komposition des Bildes abschlossen.

    Diese Darstellung hatte einen positiven Einfluss auf den Inhalt der Sendung.

    Was wird das o.g. Buch in der Kunstwelt erzielen? Mit Sicherheit wird es nicht unbeachtet auf dem Regal bleiben. Die berühmte Werke, die es zeigt, spiegelten oft kulturelle Ereignisse damaligen Zeiten. In den Zeiten, wo Kameras noch nicht existierten, bemühten sich doch Künstler unvergessene Momente auf der Leinwand zu verewigten. Kleine Differenzen, die in den von Studenten dargestellten Reproduktionen zu finden sind, bringen den Betrachter zum Nachdenken über die moderne Welt des XXI Jahrhunderts. Dadurch ist der Inhalt des Buches so interessant, finde ich.

    Ist jemand einer anderen Meinung?

    Gerne werde ich darüber diskutieren.
    Countess

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